Nikolaus [Editor]; Koch, Josef [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1938/39, 4. Abhandlung): Die Auslegung des Vaterunsers in vier Predigten — Heidelberg, 1940

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Anhang I
Nicolaus Cusanus und die sog. Kapistran-Kanzel iu Wieu
Die Stelle, an der Nicolaus von Cues im Fasching 1451 „auf
fand Steffans freythoff zw Wyenn“ gepredigt hat, läßt sich näher
bestimmen1. Der Platz um den Stephansdom war bis 1738, zum
Teil noch darüber hinaus, von einem Friedhof eingenommen, der
bis Ende des 17. Jahrhunderts noch belegt wurde, wie eine Ver-
ordnung vom 19. Mai 1688 über die Tiefe der neu anzulegenden
Gräber beweist. Südlich der Kirche stand die 1781 abgebrochene
Friedhofkapelle zur Hl. Maria Magdalena und eine Totenleuchte.
Da wir nur von einer Außenkanzel auf dem Friedhofgelände er-
fahren, so dürfte es wohl diese sein, auf der Nicolaus gepredigt
hat. Auf ihr hat im gleichen Jahr Johann von Capestrano seine
Kreuzzugspredigten gegen die Türken gehalten. Nach Matth.
Fuhrmann (Alt- und Neues Wienn, 1739, III 493) wurde der
Kanzelstuhl bald darauf vermauert, damit niemand mehr diese
Stelle beträte. Er wurde später an der Stirnseite eines Strebe-
pfeilers des Nordchores angebracht, wo er sich noch jetzt befindet.
Die Zeit der Übertragung ist nicht bekannt; wahrscheinlich er-
folgte sie nach 1735, in welchem Jahre der Stephansfriedhof auf
Wunsch des Kaisers aufgelassen wurde, und jedenfalls vor 1738,
da laut Inschrift von den Minoriten über der Kanzel ein Denkmal
des hl. Johann von Capestrano als Türkenbesieger nach dem
Entwurf von Fr. v. Rottiers errichtet wurde. Die Kanzel ist als
bloßes Denkmal ohne Stiegenaufgang aufgestellt und konnte als
unzugänglich jedenfalls in dieser Aufstellung nicht mehr benutzt
werden. Kanzelfuß und Brüstung sind aus fünf Seiten des Acht-
ecks gebildet. Der Kanzelfuß ist an den Ecken mit Rippen besetzt,
die zum Kanzelkorb überleiten, sich mit dem unteren abgeschräg-
ten Gesims des Kanzelkorbes verschneiden und an den Seiten der
Brüstung zu Maßwerkbogen mit eingestellten Nasen vereinen. Die
Formen sind einfach und lassen eine genaue Datierung nicht zu.
1 Zum Folgenden vgl. Österreichische Kunsttopographie, Bd. XKIII,
1931; Historischer Atlas des Wiener Stadtbildes, hrsg. vom Kunsthist. Inst,
d. Univ., Bd. XVI, 1919, Tafel IX, XVII.
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