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Ήσίοδοι (Hesiodoi)
,Die Hesiode'

Datierung: 429 (?)-423 (?) v.Chr.
Die Darstellung des Perikies als Olympios sowie die Erwähnung seiner
Geliebten namens Chrysilla in fr. 18 suggerieren zwar, daß die Komödie
aufgeführt wurde, als Perikies noch am Leben war,115 ein terminus post quem
im J. 429 v.Chr. (Perikies’ Tod) ist jedoch keineswegs zwingend. Einerseits
kehrt Perikles-Zeus, bereits in Kratinos’ Nemesis experimentiert, auch in
Aristophanes’ Acharnern (425 v.Chr.) wieder; andererseits, spricht der Um-
stand, daß die Hesiodoi drei kömödoumenoi mit Aristophanes’ Wespen gemein-
sam haben (Philokles in fr. 15, Androkles in fr. 16 und Proxenides in fr. 19), für
eine Aufführungszeit, die nicht lange vor dem J. 423 v.Chr. liegt.116
Wie für Aristophanes’ Gerytades, Kratinos’ Cheirönes und Pherekrates’
Krapataloi wurde auch für diese Komödie eine Anabasis aus der Unterwelt
vermutet, intendiert durch die Notwendigkeit, die zeitgenössische literarische
Kultur wiederzubeleben (nur im Falle von Eupolis’ Demoi ist die άνάστασις
politisch motiviert; vgl. Telo 2004, 1 A. 1).
Die Betitelung einer Komödie nach einem literarischen Autor ist in der
Archaia ein durchaus seltener Fall. Die Titelform (vgl. test. 5) erinnert unmit-
telbar an die Archilochoi des Kratinos, wo die Pluralform auf die Anhänger
bzw. Nachfolger des Archilochos hindeuten dürfte (Kaibel in PCG VII674: „De
argumento non constat, similis fortasse fabula Cratini Archilochis fuit“; Kock
I 213: „similis quodammodo Cratini Archilochis et frequens poetarum in ea
mentio facta erat“).117 Eine Wiedergabe durch Hesiod und seine Anhängerheße

115 Kaibel in Kassel-Austin z.St.; Geißler 1925b, 24 + 19692, xi (vor 430 v.Chr.); Schwarze
1971, 94-6 hält für möglich, daß die Hesiodoi zu den ersten Stücken des Dichters
gehörten; an die 01. 87,2 (= 431/0 v.Chr.) bzw. 3 (= 430/29 v.Chr.) dachte Wilamowitz
1870, 24. 26-7 (wozu vgl. Brandes 1886, 15-6); aufgrund des Perikies-Bezugs
vermutet Meineke I 87 auch für fr. 45 eine Zugehörigkeit zu den Hesiodoi.
116 Sommerstein 1996, 343 A. 115, der nahelegt, daß auch fr. 44 mit seiner Erwähnung
des kömödoumenos Charikles den Hesiodoi zugewiesen werden könnte.
117 Zu Kratinos’ Archilochoi vgl. PCG IV 121 („Archilochus eiusque sectatores“) und
Kugelmeier 1996, 178-89; an die Archilochos-Komödie dachte Wilamowitz 1907,
55-6 A. 14 (vgl. Körte 1922,1650,68); für,Archilochos und seine Anhänger' (so zuerst
Baker 1904,138-40, „Archilochi fautores“, 140) plädiert zuletzt Pretagostini 1982,45
A. 9 (vgl. auch Ornaghi 2004,218-28 und Bakola 2010,70-9; zur Affinität mit Kratinos’
Titeln vgl. Ornaghi 2007,38; ob auch Kratinos’ Kleoboulinai zu dieser vermeintlichen
Komödien-Typologie gehören, hängt mit der fragwürdigen Historizität von einer in
Diog. Laert. I 89 als αινιγμάτων έξαμέτρων ποιήτρια bezeichneten Kleobulina von
 
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