Goldschmidt, Richard H.; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1927/28, 6. Abhandlung): Postulat der Farbwandelspiele — Heidelberg, 1928

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R. H. Goldschmidt:

Annäherung auf das Postulat-Adäquate hin besteht das Bedürfnis,
außer der Adäquatheit und Inadäquatheit tiefergreifend
auch noch die Fortschritte zu der Adäquatheit hin mitzubeurteilen,
m. a. W.: Richtung und Maß einer Abweichung von der Adäquat-
heit, oder die Adäquatheits-Distanz. — Es ist dann aber das
Unterschiedliche der Dignität von beiderlei Urteilen zu beachten!
Bei einem Urteil über die Adäquatheits-Distanz tritt ja noch ein
besonderes subjektives Moment zum Inadäquatheitsbeurteilen hin-
zu. Und es sei den Experimental-Untersuchungs-Ergebnissen der
vorliegenden Abhandlung vorweg entnommen, daß wie die Dignität
ganz entsprechend auch die Konstanz der Urteile Grad-Unter-
schiede besitzt. D. h., die Adäquatheits-,,Distanz“-Urteile schwan-
ken sehr erheblich schon intraindividuell, nämlich selbst für einen
Beobachter innerhalb einer einzigen Beobachtungsstunde; da-
gegen zeigen Adäquatheits-Urteile weitestgehende Übereinstim-
mung untereinander. Es zeigen nämlich die unterschiedlichen, aus
differenten Zeiten oder von mehr als einem Beobachter stammen-
den, aber hinsichtlich des beurteilten Dargebotenen miteinander
korrespondierenden Einzel-Urteile über Bestehen oder Nicht-
bestehen der Postulat-Adäquatheit einer Farbdarbietung, und eben
allein diese Urteile, durchgehend eine nur minimale Streuung, näm-
lich eine minimale intraindividuelle, trotzdem sie aus Zeiten
stammen, die bis zu fünfzehn Jahre auseinander liegen, und eine
minimale interindividuelle, wenigstens sofern die verschiedenen
Beobachter ftir-,,Farbwandel-empfänglich“ sind. — Auf die Adä-
quatheitsurteile kommt es allemal an. Mögen die Adäquatheits-
,,Distanz“-Urteile zunächst den ganzen und auch weiterhin den
breitesten Platz einnehmen; ihren Anspruch auf allgemeines In-
teresse, sowie ihren Sinn erhalten sie erst durch die Adäquatheits-
Urteile, zu denen sie letztlich hinführen.

5. Einem Suchen nach bekannten Beispielen für „postulierte
Farbdarbietungen“ bietet sich zur Zeit „die Farblichtmusik“ von
Alexanoer Laszlö dar, nachdem seine Vorführungen im Jahre
1926 beim Tonkünstlerfest in Kiel erstmals der Öffentlichkeit zu-
gänglich gemacht, und dann auf der Gesolei, der großen Ausstellung
zu Düsseldorf 1926, und später in vielen deutschen Städten von
Tausenden besucht worden sind. Laszlö hat 1926 in besonderen
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