Goldschmidt, Richard H.; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1927/28, 6. Abhandlung): Postulat der Farbwandelspiele — Heidelberg, 1928

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R. H. Goldschmidt:

nehmen. — Es wird experimental zu prüfen sein, ob die postu-
lierten Farbdarbietungen eine Symmetriebildung möglichst zu
begünstigen oder zu vereiteln haben ?
Auch im übrigen kann es zunächst zweifelhaft erscheinen, ob
das gewünschte Zurücktreten der Konfigurations-Differentiiertheit
in den postulierten Farbdarbietungen durch einen Mangel an Ein-
fachheit und an Einheitlichkeit der Gliederung, durch Unregel-
mäßigkeit der Bewegungs-Richtungen u. dgl. m. zu begünstigen
ist? — Es wird experimental zu prüfen sein: »wie sich die Auf-
fassungsbedingungen für postulierte Farbdarbietungen genügend
erschweren lassen, auf daß die Konfigurations-Differentiiertheit
in der gewünschten Weise zurücktritt?« Und »welche Erschwe-
rung der Auffassungsbedingungen zweckmäßig auszu-
wählen ist, um Farb- und Helligkeits-Charaktere in ihrem
Wandel (etwa bei Konstanz des allgemeinen Formcharakters der
Konfigurationen) hervortreten zu lassen?« Nach dem Satze
von der „Gleichartigkeit des bevorzugt-Auffaßbaren unter mannig-
faltigen Auffassungsbedingungen“ besitzen eine heuristische Be-
deutung für eine Ausschaltungs-Auswahl zur Erschwerung der Auf-
fassungsbedingungen besonders: Gegebenheiten des „eben-noch-
Wahrnehmbaren“ und die ,,in-irgendwie-ausgezeichneter Weise“
bewußtwerdenden Gegebenheiten.-
Wie bei einer einzigen Gleichung mit mehreren Unbekannten
kann bei Diskussion „des noch unbekannten Zusammenwirkens der
zunächst hauptsächlich oder überhaupt in Betracht kommenden
optischen Reiz-Faktoren zur Lösung der gestellten Aufgabe“ nicht
etwa jedes mögliche Resultat errechnet, sondern nur geprüft werden,
ob etwa die jeweils hypothetisch angenommenen Unbekannten oder
Faktoren in das vorgeschriebene Resultat eingehen können. Erst
die Erreichung wenigstens einer Möglichkeit postulierter Farbdar-
bietungen, durch eine geglückte orientierend-experimentale Kom-
bination solcher Faktoren, wird es verlohnend machen, sie später
nachträglich systematisch zu untersuchen und im einzelnen zu prüfen,
ob und etwa auch wie sich solche Faktoren variieren lassen, sowie
ob weitere Möglichkeiten, und etwa auch welche überhaupt, für
E.S.O.P.-ähnliche oder auch andere postulierte Farbdarbietungen
oder für Farbwandelspiele selbst in Betracht kommen können?
20. Für eine Konstruktion von Apparaturen zur Er-
zeugung postulierter Farbdarbietungen gibt es bereits Vor-
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