Goldschmidt, Richard H.; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1927/28, 6. Abhandlung): Postulat der Farbwandelspiele — Heidelberg, 1928

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R. H. Goldschmidt:

erwähnten „Farbwandelspielpostulaten“ sich verhalten. Es er-
scheint sonach, wenigstens zunächst, immerhin als möglich, daß
die Farbwandelspielpostulate höchst vollkommen erst durch Farb-
lichtmusik befriedigt werden können. Dabei ließe sich die Vertei-
lung des Wertakzentes in einer Farblichtmusik ganz unterschied-
lich denken, nämlich als optisch-akustische Darbietung mit Gleich-
berechtigung beider Partner, oder als Musik mit farbiger Illustrie-
rung, oder als Farbwandel mit musikalischer Begleitung (etwa nach
Art dessen, was im ,,Kino“ Brauch ist). Es erscheint aber auch
als möglich, daß die postulierten Färb wandelspiele mit der Musik
nichts zu tun haben, und sogar, daß Farblichtmusik selbst nur
irrtümlich (in Verkennung des eigentlichen Farbwandelspielpostu-
lates) entstand, etwa unter Mitwirkung und zur Mitbefriedigung
einer auch-musikalischen Interessiertheit. Es erscheint schließlich
auch als möglich, daß Färb wandelspiele und ,,optische Kompo-
nenten einer Farblichtmusik“ zweierlei sind, aber mehr oder minder
verwandt miteinander, oder aber völlig unterschiedlich. —- Ob es
nun letztlich auf Farblichtmusik, oder auf Färb wandelspiele, oder
auf beides ankommt, oder ob gar alle Postulate solcher Art utopisch
sind und sich gar nicht befriedigen lassen, jedenfalls ist es möglich
und durchaus zulässig, daß wenigstens versucht wird, die postu-
lierten Färb wandelspiele lediglich durch entsprechende Farb-
darbietungen zu erzielen (vgl. auch 10.). Diese Forschung hat dann
eben (entsprechend 4.—6.) Farbdarbietungen, auch die „opti-
schen“ Komponenten einer Farblichtmusik, daraufhin zu prüfen,
ob sie den Farbwandelspielpostulaten genügen! Diese
Untersuchung betrachtet das Optische nur als solches, nicht etwa
als Komponente einer Farblichtmusik, vielmehr ohne Rücksicht
auf diese, bietet aber (nach 6.) doch auch für deren Studium eine
wünschenswerte Vorarbeit, und ist die nächst liegen de und
notwendige Grün d läge zur B efriedigung des Färb wand el-
spielpostulates selbst.
8. Scrjabin hat zu »seinem „Prometheus“ . . . die „Stimme
des Lichts“ schon so geschrieben, daß die Farben sich nur in
längeren Zwischenräumen verändern und die klangliche Wirkung
der Musik tatsächlich unterstützen« (nach E. Lutz, der Gattin
von A. Laszlö, „Die Umschau“, 1926, XXX, Heft 7, S. 136—138).
Und Laszlö brachte auf der Gesolei 1926 unter Hinweis aut
Scrjabin optische Vorführungen zu seinem Klavierspiel.
Hierbei erschien der Aufenthaltsraum jeweils von einem ein-
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