Rickert, Heinrich; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1930/31, 1. Abhandlung): Die Logik des Prädikats und das Problem der Ontologie — Heidelberg, 1930

Page: 93
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1930_1931_1/0101
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
IV. Subjekt und Prädikat.

93

„gelten“ nur als Prädikat denkbar, ebenso wie in dem logischen
Minimum aller Wirklichkeitserkenntnisse „wirklich“ nur als Prä-
dikat vorkommt. Die logischen Minima, die wir als enthalten
entweder in jeder Wirklichkeitserkenntnis oder in jeder Geltungs-
erkenntnis, gefunden haben, d. h. die zwei Sinngebilde: „etwas
ist (sinnlich) wirklich“ und „etwas ist (unsinnlich) geltend“ sind
deshalb mit Rücksicht auf ihre logische Struktur in jeder Hinsicht
einander nebenzuordnen. Sie bestehen beide aus einem logischen
Subjekt, das nur Subjekt ist („etwas“) und aus einem logischen
Prädikat („wirklich“ oder „geltend“), das nur Prädikat sein kann.
Die logische Struktur ihres wahren Sinnes, welche die Struktur
jeder elementaren Wirklichkeits- oder Geltungserkenntnis ist,
— von mathematischen und metaphysischen Erkenntnissen sehen
wir j etzt ab —- erweist sich damit zugleich als von der grammatischen
Struktur der Sätze, durch welche der einfachste Sinn zum Ausdruck
kommt, völlig unabhängig.

IV.
Subjekt und Prädikat als Inhalt und Form und als
Anschauung und Begriff.
Bevor wir von dem zuletzt erreichten Ergebnis aus die wei-
teren Schritte in unsere Logik des Satzes machen, d. h. feststellen,
welches einfachste Sinngebilde als denkbar allgemeinstes logisches
Sinn-Minimum in jeder Erkenntnis steckt, über welchen Gegen-
stand auch immer der Satz, der sie zum Ausdruck bringt, Wahr-
heit gehen mag, und im Zusammenhang damit dann endlich er-
sehen, was das Wort „sein“ als unentbehrliches Urprädikat jeder
beliebigen, durch einen Satz ausdrückbaren gegenständlichen Wahr-
heit bedeutet, suchen wir zunächst die gewonnenen Begriffe des
logischen Subjekts und des logischen Prädikats in der Gestalt, die
sie in den schon betrachteten einfachsten wahren Sinngebilden im
Bereich des sinnlich Wirklichen und des unsinnlich Geltenden
haben, noch von zwei andern Seiten als bisher zu charakterisieren,
um dadurch, auch in der Terminologie, noch mehr von der Sphäre
loszukommen, der ursprünglich die Begriffe des Subjekts und des
Prädikats entnommen sind: von der Grammatik.
Die Loslösung ist logisch gefordert, denn so gewiß wir bei einer
logischen Untersuchung des wahren Sinnes von der grammatischen
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften