Hoops, Johannes; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1940/41, 5. Abhandlung): Shakespeares Name und Herkunft — Heidelberg, 1941

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8. ImperativnamQn vom Typus Shakespeare uni ihr Ursprung

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8. Imperativnamen vom Typus Shakespeare und ihr Ursprung.
Bei dem Nebeneinander von anglonorm. Sakeespee — me. Drawe-
swerd, ne. Drawsword — dt. Zuckschwerdt; engl. Shakespeare — dt.
Schüttespeer — it. Crollalanza erhebt sich nun vor uns das Prob-
lem, ob solche übereinstimmenden Namenbildungen in ver-
schiedenen Ländern selbständig entstanden sind, oder ob sie auf
eine gemeinsame Quelle zurückgehn.
Personennamen vom Typus engl. Shakespeare, Breakspear,
Wagstaff, Wagtail, Drinkwater; dt. Zuckschwerdt, Hassenpflug,
Schwenkenbecher, Springinsfeld, Tunichtgut werden seit Grimm und
Diez gewöhnlich als Imperativnamen bezeichnet, weil ihr er-
stes Element ein Verbum im Imperativ ist. Sie sind allerdings ver-
schiedentlich auch anders aufgefaßt worden.
Man könnte daran denken, daß das erste Element dieser Kom-
posita nur der Form nach ein Imperativ, in Wahrheit aber die
Verbalwurzel sei, die nur im Imperativ am reinsten tutage trete.
Nun gibt es im Deutschen allerdings zahlreiche Zusammensetzun-
gen von Verben und Substantiven, bei denen der erste Teil die Ver-
balwurzel darstellt und den Zweck oder die Bestimmung des zweiten
Teils ausdrückt, zB. Trinkwasser, Schreibfeder, Schreibpapier,
Eßtisch, Spieltisch, Brennstoff, Bennbahn, Lehrmeister. Sie bedeuten
'Wasser zum Trinken’, 'Feder, Papier zum Schreiben’, 'Tisch an
dem gegessen, gespielt wird’, 'Stoff zum Brennen’ usw. Ebenso im
Englischen: whetstone 'Schleifstein, Stein zum Schleifen’, treadmill
'Tretmühle, Mühle, die getreten wird’, drciwbridge 'Zugbrücke,
Brücke, die aufgezogen werden kann’ ua. Aber davon sind Bil-
dungen wie dt. Schluckebier, Habenichts, Störenfried 'störe den Frie-
den’, Fürchtegott, engl. Shakespeare, Makepeace, pickpocket offenbar
wesentlich verschieden: es sind Satznamen, bei denen das Sub-
stantiv das Objekt des Verbums ist. Bei der ersten Gruppe der obi-
gen Zusammensetzungen von Verbum und Substantiv ist, wie ge-
wöhnlich, der zweite Teil das Grundwort, der erste Teil das Bestim-
mungswort; bei der zweiten Gruppe ist umgekehrt der erste Teil
das Grundwort, der zweite das Bestimmungswort. Dem deut-
schen Trinkwasser, d. h. 'Wasser zum Trinken’, entspricht im
Englischen drinking-water, wo das erste Element ein Verbalabstrak-
tum ist; der Personenname Drinkwater dagegen bedeutet 'trink
Wasser’, d. h.'Wassertrinker’, wo das erste Element drink ein Impe-
rativ ist, der durch das Objekt, water näher bestimmt wird.
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