Driesch, Hans; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1919, 18. Abhandlung): Logische Studien über Entwicklung, 2 — Heidelberg, 1919

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Einleitung.
Dieser zweite Teil der ,,Logischen Studien über Entwicklung“3
knüpft an Ergebnisse des ersten an; er setzt gewisse dort durch-
geführte Betrachtungen fort, in die Tiefe, nicht in die Breite. Das
Feld der Untersuchungen schränkt er, von wenigen Ausnahmen
abgesehen, dem ersten Teil gegenüber ein: es wird sich jetzt fast
ausschließlich um personale Entwicklung handeln und zwar um
Entwicklung der materiell ausgeprägten Person. Das aber bedeutet
eine Beschränkung auf die Ontologie des eigentlich Biologischen.
Über überpersönliche Entwicklung ist ja überhaupt nur weniges
in eigentlich wissensmäßiger Weise zu sagen möglich (auch onto-
logisch), und was über „seelische“ Entwicklung gesagt werden
könnte, werde ich später in anderem Zusammenhang darstellen.
Es gibt kein Gebiet des Wissens, das von der mo-
dernen Philosophie so vernachlässigt worden ist, wie
die Logik des Biologischen; ein paar Kant-Beminiszenzen
und ein bißchen Darwinismus-Kritik ist fast stets alles, was in
neueren Schriften hier geboten wird. Kennt man die neue exakte
personale Biologie und ihren Begriffsapparat nicht, oder will man
sie nicht kennen, weil sie zum Herkömmlichen nicht paßt ?
Es ist doch wahrlich kein Zweig der Logik des Entwicklungs-
begriffs von der Bedeutung wie gerade die Logik der biologischen
Personalentwicklung, und zwar deshalb, weil auf ihrem Felde
allein nicht nur intime Begriffsanalyse, sondern auch empirische
Erfüllung der als „möglich“ erkannten Mannigfaltigkeiten statt-
haben kann. Hier allein kann ein Gebilde geschaffen werden,
das mit der analytischen Mechanik und ihrer empirischen Erfül-
lung wenigstens gewisse Züge der Verwandtschaft besitzt.
1 Der erste erschien als Heft 3 des Jahrgangs 1918 dieser Sitzungs-
berichte. — Man wolle übrigens nicht vergessen, daß es sich in beiden Teilen
eben um Studien handelt, nicht um systematisch Abgeschlossenes und Voll-
ständiges. Ich schrieb diese Studien — für mich. Ich veröffentliche sie in
dem Glauben, daß es vielleicht dem einen oder anderen Nutzen bringt, einen
Forscher sozusagen bei der Arbeit zu sehen.

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