Driesch, Hans; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1919, 18. Abhandlung): Logische Studien über Entwicklung, 2 — Heidelberg, 1919

Page: 9
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1919_18/0009
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
Logische Studien über Entwicklung.

9

Anfangszustand heraus offenbar durch eine Veränderung oder
durch mehrere, nach einander erfolgende Veränderungen der
Elemente erfolgen. Wir unterscheiden also
1. Entwicklung mit einem Werdeschritt,
2. Entwicklung mit mehreren Werdeschritten oder kurz schritt-
hafte Entwicklung.
Meist werden wir unter „Entwicklung“ ohne weiteres ihre
schritthafte Art verstehen1. Natürlich ließe sich hier noch weiter
klassifizieren, etwa danach, oh an einem ersten Werdeschritt sich
etwa nur iij der gegebenen a Elemente des Systems beteiligen,
am zweiten Werdeschritt n2, worauf dann vielleicht die n-j-Elemente
wieder einen Werdeschritt vollziehen, darauf vielleicht ein bisher
unbeteiligter Teil der Elemente n3 sich zu verändern beginnt
usw. usw., in allen erdenklichen Variationen.
Aufgabe I.
Gegeben ein Ausgangssystem mit vereinzelten Elementen,
welches in sich nicht äquipotentiel zu sein braucht. Es soll
dieses System sich zu einem System mit vollendeter harmonischer
und komplexer Äquipotentialität umwandeln. Wie kann das
geschehen ?
Antwort: Das System muß sich, unter Hinzuziehung system-
fremder Materie, in einen Komplex einander und dem Originale
gleicher Teilsysteme zerlegen, und zwar so, daß die Gesamtheit
der Teilsysteme ein Ganzsystem bildet. Geschieht das, so ent-
steht ein sowohl harmonisch-, wie komplex-äquipotentielles
System mit Elementen, welche ,,zu gleichen Gruppen zusammen-
geschlossen“ sind.
Personales empirisch verwirklichtes Beispiel: Das entwickelte
Lebermoos, welches in allen seinen Zellen harmonisch und komplex
äquipotentiel ist, (jede Zelle und jeder beliebige Komplex von
Zellen kann, nach Isolierung, die ganze Pflanze neu hersteilen).
Überpersonales• empirisch verwirklichtes Beispiel: Ein Indi-
viduum und die Gesamtheit seiner direkten Nachkommen. Zumal
da, wo es sich um Äquipotentialität des (handlungsmäßigen) Ver-
haltens der Gesamtheit der (jeweils personalen) Nachkommen
1 In der Ordnungslehre (S. 249) und der Wirklichkeitslehre (S. 195) habe
ich unter „Entwicklung“ immer ohne weiteres ihre schritthafte Art ver-
standen.
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften