Bandini, Ditte [Editor]; Fussman, Gérard [Editor]
Die Felsbildstation Hodar — Materialien zur Archäologie der Nordgebiete Pakistans, Band 3: Mainz, 1999

Page: 101
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DIE HÖHENSIEDLUNG KINO KOT
HARALD HAUPTMANN

Die Höhensiedlung Kino Kot, die heute Patelo Kot genannt wird,1 liegt an der östlichen Flanke des Ho-
dartals am Fuß des bis über 2050 m hoch aufragenden Bergzugs, der das Industal an seiner Nordseite be-
gleitet und hier vom Einschnitt des Hodar Gah unterbrochen ist (Karte 3). Die in zwei größere Kuppen
gegliederte Felsscholle fällt nach Westen steil zum Hodartal und nach Süden zu dem auf der Schwemm-
fächerterrasse liegenden Dorf ab. In weitem Bogen umfließt der Hodarbach den langgezogenen zerklüfte-
ten Felsgrat, der insgesamt etwa 280 m lang und 10 m breit ist und an seiner höchsten Stelle 1200 m ü.
NN erreicht. Ein tiefer Graben, der von Südosten nach Nordwesten in einer leichten Biegung verläuft
und auf den die verschiedenen Aufwege treffen, so daß er den Durchgangsweg innerhalb des altbesiedel-
ten Bereichs bildet, trennt den Felsen von Kino Kot vom steil aufsteigenden Bergzug. Die durch ausge-
dehnte Bebauung gekrönte Felsscholle umfaßt die größere Rippe im Süden, die durch einen Sattel in
zwei Kuppen - Anlage A und B - unterteilt ist (Karte 4). Von den Hauptanlagen ist ein weiterer, flache-
rer Felsrücken mit Anlage C im Nordwesten durch einen tiefen Sattel abgesetzt, der sich zum Hodar Gah
abstuft. Hinzu kommen die beiden Baukomplexe D und E, die östlich des Durchgangswegs die Zugänge
zum Siedlungsbereich im Norden und Süden sichern. Ein großes Gebäude F, ein kleinerer Bau H und die
Torbauten G sowie einzeln stehende Häuser, z.B. am Nordhang, Terrassenmauern und vier oberirdisch
sichtbare Rundgräber ergänzen die ausgedehnte Bebauung. In ihr lassen sich aufgrund unterschiedlicher
Bautechnik und Patinierung deutlich zwei Bauphasen erkennen. Die älteren Gebäude bestehen aus zu-
meist großen, sorgfältig zugeschlagenen und geschichteten Steinen. Die Mauern vor allem der großen
Terrassierungen können sogar in vollendeter polygonaler Technik errichtet sein. Auffallend ist ihre durch-
gehend dunkle Patinierung. Demgegenüber bestehen die Mauern der jüngeren Gebäude aus weniger
sorgfältig zugerichteten kleineren Steinen, die in Lehmverband gesetzt sind. Die Wände zeigen noch Spu-
ren eines Lehmverputzes.
Die Ruinen waren zum ersten Mal von M.A. Stein2 kurz beschrieben und danach von A.H. Dani3 als
“Hill-Fort” bezeichnet worden, das er mit vergleichbaren Anlagen der Hindu Sähis in der North-Western
Frontier Province in Verbindung brachte.
Die Höhensiedlung besitzt drei Zugänge, die teilweise durch Torbauten verschlossen werden konnten.
Vom Südosten wird sie von einem im untersten Teil stark ansteigenden Aufweg erschlossen, der teilweise
mit Stufen versehen ist. Er verengt sich an der Stelle, bei der die untere Kuppe mit Anlage A auf einen
vom Bergzug vorspringenden Felssporn trifft. Die Treppe ist an der der Felsscholle zugewandten Seite
von einer Steinreihe begrenzt. Dieser getreppte Weg oberhalb des Durchlasses wird an der Bergseite von
polygonalen Terrassenmauern flankiert, die einen großen Rechteckraum abstützen. Der zweite Aufweg,

1 “Patelo” in Shina bedeutet “Ruine”. Die auf Stein 1928 zurückgehende Benennung “Kino Kot: Schwarze Festung” ist den
Bewohnern von Hodar unbekannt. Siehe auch BEMMANN/Hauptmann 1993: 316ff.
2 Stein 1928: 13f.
3 Dani 1983: 190ff.; ders. 1995: 34.
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