Alföldy, Géza; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]; Pöschl, Viktor [Honoree]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1990, 2. Abhandlung): Der Obelisk auf dem Petersplatz in Rom: ein historisches Monument der Antike ; vorgetragen am 9. Dezember 1989 ; Viktor Pöschl zum 80. Geburtstag gewidmet — Heidelberg: Winter, 1990

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Der Rangtitel des C. Cornelius Gallus und das Datum
seiner Inschrift

Die außerordentliche Bedeutung des Vatikan-Obelisken wird aus
dem Datum seiner Inschrift ersichtlich, das sich aus der Rangstellung
des C. Cornelius Gallus erschließen läßt. Wir wissen, daß dieser Mann
vom künftigen Augustus, der Ägypten im Jahre 30 v. Chr. unterwarf, als
der erste römische Präfekt dieses Landes eingesetzt wurde und daß er 27
oder 26 v. Chr. durch Selbstmord starb.48 In der lateinischen Fassung
seiner berühmten dreisprachigen Inschrift aus Philae vom 16. April 29 v.
Chr. wird er als post reges a Caesare Deivi f(ilio) devictos praefect[us
Ale]xandreae et Aegypti primus bezeichnet,49 demgegenüber wird er in
der Inschrift des Vatikan-Obelisken praef(ectus) fabr(um) Caesaris Divi
48 Zur Person des Gallus vgl. A. Stein, RE IV 1 (1900) 1342ff.; dens., PIR2 C 1369; H.-G.
Pflaum, Fastes 249f.; S. Mazzarino, Quaderni Catanesi 3, 1980, 20ff. (vgl. AE 1980,
46). Zu seinem Geburtsort siehe S. 39 mit Anm. 63, zu seiner Laufbahn S. 35, zu seinem
Sturz S.78f. mit Anm. 182. Über ein vielleicht ihm zuzuweisendes Porträt siehe
G. Grimm, JDAI 85, 1970, 158ff. Gallus als Dichter: Siehe bes. L. Winniczuk, Eos
1959/60,1, 127ff.; J.-P. Boucher, Caius Cornelius Gallus 69 ff.; M. Treu, Chiron 3,1973,
221ff.; R.D. Anderson-P.J. Parsons- R. G. M. Nisbet, JRS 69, 1979, 125ff.; F. Graf,
Gymnasium 89, 1982, 21 ff.; N. B. Crowther, in: ANRW II 30.3 (1983) 1622ff. (Biblio-
graphie ebd. 1644f.); G. Petersmann, ebd. 1649ff. Die in den letzten Jahren von zahl-
reichen Verfassern kontrovers diskutierte Frage, ob der Gallus-Papyrus von Kasr Ibrim
eine moderne Fälschung sei, kann und braucht hier nicht behandelt zu werden (Fäl-
schung nach F. Brunhölzl, Codices Manuscripti 10, 1984, 33f.; siehe dagegen etwa J.
Blänsdorf, ZPE 67, 1987, 43ff.).
49 CIL III 14147,5 = IGRR I/II 1293 = OGIS II 654 = ILS 8995 = E. Bernand, Philae II
35 ff. Nr. 128 = V Ehrenberg - A.H.M. Jones, Documents2 Nr.21. Vgl. hierzu H.
Hauben, ZPE 22, 1976, 189f.; L. P. Kirwan, Proc. of the British Acad. 63, 1977, 13ff.
Die Inschrift wurde auf einer Stele und nicht wie W. Eisenhut, in: Festschrift Robert
Werner 117, schreibt, auf einem Obelisken angebracht. Zur Lesung des Textes siehe
den Anhang auf S.96ff. Als Datum wird in der Forschung zumeist der 15. April ge-
nannt. Vom 17. April sprechen E. Bernand, a.a.O. 37, ferner M.C. J. Miller, Ancient
World 13, 1968, 60; C. Salvaterra, Aegyptus 67, 1987, 173; L. Török, in: ANRW II 10.1
(1988) 275. Bei W. Schmitthenner, Historia 11, 1962, 40 Anm. 68 = in: ders., Augustus
420 Anm. 81, wird der 19. April angegeben. Das allein im ägyptischen Text angeführte
Datum ist der 20. Tag des Monats Pharmouthi. Mein Heidelberger Kollege D. Hage-
dorn hat mir gezeigt, daß dieses Datum im Jahre 29 v. Chr. offenbar dem 16. April
entspricht. „Nach übereinstimmender Meinung fiel nämlich der 1. Thoth, also der Neu-
jahrstag des ägyptischen Jahres, im Jahre 30 auf den 31. August nach unserem juliani-
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