Alföldy, Géza; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]; Pöschl, Viktor [Honoree]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1990, 2. Abhandlung): Der Obelisk auf dem Petersplatz in Rom: ein historisches Monument der Antike ; vorgetragen am 9. Dezember 1989 ; Viktor Pöschl zum 80. Geburtstag gewidmet — Heidelberg: Winter, 1990

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Einführung

Der Obelisk auf der Piazza di S. Pietro in Rom (Taf. I) blickt auf eine
abwechslungsreiche Vergangenheit zurück, welche die Untrennbarkeit
der Geschichte ebenso von Orient und Okzident wie von Antike und
Christentum verkörpert und dadurch sowohl die Vielfalt als auch die
Einheit unserer kulturellen Tradition exemplifiziert. Der dänische
Ägyptologe E. Iversen schrieb über dieses Denkmal zutreffend: „Each
era and epoch has regarded it with different eyes, has had different con-
ceptions of its significance, and interpreted its esoteric and allegorical
message in a different way, and in the process it has become a mythical
no less than an historical monument“.1 Allerdings sind wir weit davon
entfernt, all die Vorstellungen, die im Altertum mit diesem Obelisken
verknüpft waren, wirklich zu kennen.
Es war immer bekannt, daß das aus syenitischem Granit geschnittene
Monument aus Ägypten nach Rom gelangte.2 Doch ist es erst im Jahre
1962 dem italienischen Archäologen F. Magi gelungen, aus den Resten
von Dübellöchern, die der Befestigung von Buchstaben aus Metall, of-
fenbar aus Bronze, gedient hatten (Abb. 1-4, Taf. II-VI), die ursprüngli-
che Inschrift des Obelisken zu rekonstruieren (Taf. VII1-2). Aus dieser
Inschrift, die oberhalb des Sockels in mehr als 10 m Höhe in zwei gleich-
lautenden Fassungen auf der heutigen Ost- und Westseite des Obelisken
angebracht worden war, hat Magi erschlossen, daß das Denkmal von
dem berühmten Ritter und Elegiendichter C. Cornelius Gallus, dem er-
sten römischen Präfekten Ägyptens, bald nach der Eroberung dieses
Landes durch die Truppen des künftigen Augustus eingeweiht wurde.3
1 E. Iversen, Obelisks in Exile I 19.
2 Ältere Literatur (auch über weitere Obelisken Roms): Siehe die Bibliographie bei C.
D’Onofrio, Obelischi di Roma2 319ff.
3 Erste publizierte Nachricht: L’Osservatore Romano 27/28 Dicembre 1962; kurzer Vor-
bericht von F. Magi: Rend. Pont. Acc. 35, 1962/63, 4f. Siehe vor allem seine beiden
Artikel: Studi Romani 11,1963, 50ff. (Rekonstruktion der beiden Fassungen des Textes
auf Gipsabgüssen: Tav. XI-XII; siehe den Text nach dieser Publikation auch in AE 1964,
255) und Capitolium 38, 1963, 488 ff. (Rekonstruktion der Inschrift der Westseite auf
dem Gipsabguß: Abb. auf S. 409). Der in Rend. Pont. Acc., a. a. O. in Aussicht gestellte
ausführliche Bericht blieb leider aus. Vgl. noch dens., L’Osservatore Romano, 15 Mag-
gio 1966 (Stellungnahme zur Meinung von E. Iversen über die Datierung der späteren
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