Alföldy, Géza; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]; Pöschl, Viktor [Honoree]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1990, 2. Abhandlung): Der Obelisk auf dem Petersplatz in Rom: ein historisches Monument der Antike ; vorgetragen am 9. Dezember 1989 ; Viktor Pöschl zum 80. Geburtstag gewidmet — Heidelberg: Winter, 1990

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Das Schicksal der späteren Inschrift

Im Zusammenhang mit der Frage nach dem Schicksal des Gallus-
Obelisken nach seiner Umwidmung an Divus Augustus und Tiberius
muß auch überlegt werden, was mit der sekundären Inschrift geschehen
ist. Es ist leicht zu erkennen, daß auf der Ostseite des Obelisken unge-
fähr die linke Hälfte, auf der Westseite der Schlußteil des eingetieften
Inschriftfeldes noch zusätzlich abgeglättet ist, und zwar so, daß die Glät-
tung jeweils (auf der Ostseite deutlich sichtbar, auf der Westseite kaum
erkennbar) kurz vor der Mitte des Textes beginnt und dann nach einer
ausgesparten Stelle zum jeweiligen Seitenrand hin an Tiefe zunimmt
(siehe Taf. II-V, vgl. Abb. 1-2 und 7-10). Da dieser Eingriff nicht nur
einen Teil der Dübellöcher der früheren Inschrift, sondern auch einen
Teil des zweiten Widmungstextes betraf, entstand der Schaden nicht
durch die Zerstörung der Gallus-Inschrift, sondern erst nach Anbrin-
gung der späteren Dedikation.
H. Volkmann nahm an, daß die beiden Fassungen der Inschrift auf
einem natürlichen Wege, nämlich durch den Transport des Obelisken
für die Neuaufstellung auf dem Petersplatz im Jahre 1586, beschädigt
wurden.207 Diese Ansicht ist jedoch unhaltbar, ganz abgesehen davon,
daß die Beschädigung der beiden Textfassungen bereits im Jahre 1510
ausdrücklich erwähnt wird.208 Die z.T. gerade von H. Volkmann ge-
schilderte Art, in der die Inschriften auf den beiden einander gegenüber
liegenden Seiten des Obelisken Schaden erlitten, wäre etwa mit einer
Schleifung beim Transport - und sei es beim Transport des Obelisken
aus Ägypten nach Rom unter Caligula - nicht zu vereinbaren: Der Scha-
den ist jeweils in der Nähe der heutigen Südseite des Obelisken am auf-
fälligsten, indem auf der Ostseite der linke und auf der Westseite der
rechte Rand der Felder, die für die sekundäre Inschrift eingetieft wor-
den waren, zusammen mit einem Teil der Buchstaben bzw. Dübellöcher
in der Nähe dieser Ränder gänzlich verschwunden sind; demgegenüber
207 H. Volkmann, Gymnasium 74, 1967, 507.
208 Francesco Albertini notierte damals in seinem Opusculum de mirabilibus novae et ve-
teris Romae: In quo obelisco semideletae litterae ab una parte visuntur (zitiert bei F.
Magi, Studi Romani 11, 1963, 50f.).
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