Alföldy, Géza; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]; Pöschl, Viktor [Honoree]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1990, 2. Abhandlung): Der Obelisk auf dem Petersplatz in Rom: ein historisches Monument der Antike ; vorgetragen am 9. Dezember 1989 ; Viktor Pöschl zum 80. Geburtstag gewidmet — Heidelberg: Winter, 1990

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Zusammenfassung

Ich hoffe die Hauptfragen zur Geschichte des Vatikan-Obelisken
nach einer erneuten Prüfung der Quellen genauer als die bisherige For-
schung beantwortet zu haben. Manche der hier vorgetragenen Gedan-
ken stehen auf einem festen Fundament; andere können infolge der
Quellenlage gewiß nur als Hypothese gelten, aber als solche dürften sie
nach den vorhandenen Möglichkeiten fundiert und plausibel sein. Insge-
samt betrachtet dürfte die Geschichte dieses Obelisken, wie sie in dieser
Untersuchung dargestellt wurde, Substanz und Kohärenz erhalten ha-
ben. Er entstand weder als ein sonderbares Unikum ohne Vorbilder und
ohne Nachwirkung noch als ein Produkt von Größenwahn. Vielmehr
verkörperte er gleichermaßen Tradition und Innovation und diente in
der Geschichte der römischen Repräsentationskunst in mehrfacher Hin-
sicht als Modell. Zugleich hatte er ebenso in der Anfangsphase seiner
Geschichte wie auch später genau überlegte und sinnvolle Aufgaben zu
erfüllen. Geplant, wie ich meine, als Denkmal für Antonius, ist erzürn
frühesten Denkmal der römischen Herrschaft über Ägypten und dann
zu einem Dokument für die Treue dieses Landes zu Roms Herrschern
geworden. Ähnlich wie in Ägypten fiel ihm zunächst auch in Rom die
Aufgabe zu, Größe und Glanz der römischen Macht zu verkünden. Im
christlichen Mittelalter wurde seine Botschaft in das Gegenteil verkehrt;
sie lautete: Sic transit gloria mundi. Seit mehr als vier Jahrhunderten
verkündet er wiederum Macht und Glanz, diesmal der Kirche und des
Papsttums. Vor allem aber ist er ein beredtes Zeugnis unseres reichen
und vielfältigen kulturellen Erbes, das Traditionen von Orient und Ok-
zident, von Antike und Christentum vereint.
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