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Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Hrsg.]
Jahrbuch ... / Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Jahrbuch 2000 — 2001

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28

Sitzungen

Sitzung der Phil.-hist. Klasse
am 18. Februar 2000
Vor Eintritt in die Tagesordnung gratuliert der Sekretär Herrn Gadamer, der am
11. Februar 2000 seinen 100. Geburtstag gefeiert hat.
Als neues Mitglied wird Herr Höfele begrüßt.
1. Frau Silke Leopold hält einen Vortrag: „Ideen des Nationalen in der Instrumental-
musik des 17. Jahrhunderts“
Die Idee einer nationalen, von der Sprache des Textes unabhängigen Instrumentalmu-
sik wird generell mit dem 19. Jahrhundert, bestenfalls mit den Diskussionen um einen
„vermischten Geschmack“ im 18. Jahrhundert in Verbindung gebracht. Dabei gehört
der Versuch, nationale Identitäten durch Instrumentalmusik zum Ausdruck zu brin-
gen, zu den frühesten Resultaten bei den um 1600 verstärkt einsetzenden Bemühun-
gen, die Instrumentalmusik aus der Abhängigkeit von der Vokalmusik zu befreien und
ihr jenseits von Tanz und Signalfunktion neue, eigene Aufgaben zuzuweisen.
Drei Fragen standen in dem Vortrag zur Diskussion: Erstens, mit welchen musika-
lischen Mitteln die Komponisten nationale Identität zum Ausdruck brachten; zwei-
tens, welche Rolle das Nationale in der theoretischen Diskussion spielte; und drittens,
auf welche Weise die musikalischen Ideen für politische Ziele instrumentalisiert wur-
den. Dabei läßt sich die erste Frage am wenigsten eindeutig beantworten: Es waren in
der Regel außermusikalische Assoziationen wie etwa die Wirkungsstätte eines Kom-
ponisten, ein spektakuläres Theaterereignis oder eine allgemein kursierende Melodie
mit Herkunftsbezeichnung wie z.B. die Bergamasca, die ein Musikstück mit einem
Ort in Verbindung brachten. In der theoretischen Diskussion, besonders in Athanasi-
us Kirchers Musurgia universalis (1650) stand die Komplexion, d.h. die Herkunft und
das damit verbundene Temperament des Komponisten im Zentrum. Für politische
Zwecke nutzbar gemacht wurde die Instrumentalmusik schließlich in den Tanzmusik-
Suiten des französischen Hofes, wenn Ludwig XIV. die traditionellen Tänze aus den
französischen Regionen wie etwa die auvergnatische Bouree oder den bretonischen
Passepied ihrer regionalen Identität entkleidete und zu hochstihsierten Hoftänzen
umformte, die dann als „französische“ Tanzkultur in ganz Europa imitiert wurde.
Eine erweiterte Fassung des Vortrags wird in den Schriften des Phil.-hist. Klasse
erscheinen.
2. Die Zuwahl eines o. Mitglied wird vorbesprochen.
3. Walter-Witzenmann-Preis 2000
Die Klasse stimmt dem Vorschlag der ad hoc-Gutachterkommission zu, der Arbeit von
Herrn Thomas Lobinger „Rechtsgeschäftliche Verpflichtung und autonome Bindung“
den Witzenmann-Preis 2000 zuzukennen.
4. Kommissionen und Forschungsstellen
Nach eingehender Diskussion beschließt die Klasse (bei 4 Enthaltungen) die Verlänge-
rung der Laufzeit des Luther-Registers bis 2009, um die noch fehlenden 5 Bände des
deutschen Sachregisters herzustellen.
 
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