Metadaten

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Hrsg.]
Jahrbuch ... / Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Jahrbuch 2018 — 2019

DOI Kapitel:
C. Die Forschungsvorhaben
DOI Kapitel:
II.Tätigkeitsberichte (chronologisch)
DOI Kapitel:
11. The Role of Culture in Early Expansions of Humans (Frankfurt/Tübingen)
DOI Seite / Zitierlink: 
https://doi.org/10.11588/diglit.55650#0264
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten

DWork-Logo
Überblick
loading ...
Faksimile
0.5
1 cm
facsimile
Vollansicht
OCR-Volltext
C. Die Forschungsvorhaben

7 7. The Role of Culture in Early Expansions of Huma ns
(Frankfurt und Tübingen)
Die menschliche Evolution ist eine Geschichte von kulturellen Entwicklungen
und Expansionen. Vor mehr als drei Millionen Jahren stellten Frühmenschen ers-
te Steingeräte mit schneidenden Kanten her und erweiterten damit den Rahmen
des Werkzeuggebrauchs, der von Tieren bekannt ist. Eine Folge dieses Meilen-
steins war die Annahme einer neuen Funktionalität (Werkzeuge zur Herstellung
von Werkzeugen), die den modularen Gebrauch mehrerer Geräte beförderte. Drei
miteinander interagierende Faktoren haben einen kulturellen Raum geschaffen,
der die Grundlage unseres heutigen Umgangs mit der Welt bildet: die Intensivie-
rung und Differenzierung von materiellem und sozialem Engagement, die Wech-
selwirkung mit der Umwelt und das gesteigerte Bedürfnis nach Sinnfindung.
Die Geschichte der menschlichen Kulturentwicklung entfaltet sich in drei
voneinander abhängigen Expansionsformen. Die ersten beiden umfassen die Ex-
pansionen der kulturellen Performanzen, die sich im mit einander verwobenen Wandel
von Körper, Geist und Verhalten ausdrückt, sowie die damit in Wechselwirkung
stehenden Expansionen des Ressourcetiraums. Während der Gebrauch eines Werk-
zeugs z. B. den Zugang zu neuen Ressourcen eröffnet, schafft diese neue Perfor-
manz gleichzeitig neue Bedürfnisse, Möglichkeiten und Grenzen sowohl für die
Menschen als auch ihre Umwelt. Das Netzwerk der Beziehungen und Wechsel-
wirkungen mit Umweltfaktoren (seien es Artgenossen, Rohmaterialien, Artefakte
oder andere Agenten) hat im Laufe der menschlichen Evolution enorm zugenom-
men und resultierte in einer großen Zahl kultureller Äußerungen in einem breiten
Spektrum von Umwelten.
Zwischen drei und zwei Millionen Jahren sind die empirischen Hinweise auf
die menschliche Evolution weitgehend auf Afrika beschränkt. Während der letz-
ten zwei Millionen Jahre breiteten sich Vertreter der Gattung Homo in mehreren
Wellen von Afrika nach Asien und Europa aus. Neue Arten bildeten sich heraus
und vermischten sich, während andere Gruppen ausstarben. Diese dritte Form der
Expansionen, die ränge expansions (Expansionen der geographischen Verbreitung),
steht in Wechselwirkung mit den Expansionen kultureller Performanzen und den
Expansionen des Ressourcenraums.
Das Projekt hat die Entwicklung eines systemischen Verständnisses der
Menschwerdung zum Ziel, das die unterschiedlichen Formen von Expansionen
erforscht und die Wechselwirkungen zwischen ihnen integriert. Es umfasst den
Zeitraum zwischen drei Millionen und 20.000 Jahren vor heute und deckt den
gesamten geographischen Raum von Afrika und Eurasien ab. Besonderes Augen-
merk liegt auf der Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten zu kulturellem
Handeln, deren Hintergründen und tatsächlichen Ausprägungen. Herzstück des
Projektes ist die multidisziplinäre und webgestützte Datenbank ROAD (RO-

264
 
Annotationen
© Heidelberger Akademie der Wissenschaften