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Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Hrsg.]
Jahrbuch ... / Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Jahrbuch 2011 — 2012

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I. Das Geschäftsjahr 2011
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Antrittsreden
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Bock, Hans Georg: Antrittsrede von Herrn Hans Georg Bock an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 17. April 2011
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https://doi.org/10.11588/diglit.55657#0153
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ANTRITTSREDEN

Natürlich blieb es immer mein Kernziel, mein eigenes Forschungsgebiet, die
Optimierung bei Differentialgleichungen, voran zu bringen. Besonders spannende
Anwendungsbereiche findet meine Forschungsgruppe in der Zeit- und Stabilitäts-
optimierung von Industrie- und Laufrobotern, in der Energieoptimierung von Fahr-
zeugen, Chemieanlagen und Kraftwerken, oder in der Produktoptimierung in der
Polymerisation und bei Trennprozessen. Voraussetzung für all dies ist aber die Ver-
fügbarkeit von validierten und am Experiment kalibrierten Modellen.
Unser wichtigster Durchbruch der letzten Dekade ist hier die Entwicklung
leistungsfähiger Verfahren der optimalen Versuchsplanung. Durch Optimierung von
Experimenten lassen sich oft 80 bis 90 Prozent an Zeit und Kosten einsparen. Die
BASF spart mit diesen Methoden soviel ein, dass sie dem IWR eine komplette
Nachwuchsgruppe für die Grundlagenforschung in diesem Bereich finanziert.
Ein weiterer Durchbruch ist die Entwicklung spezieller Verfahren für den Ein-
satz in der Echtzeitoptimierung. Durch intelligente Algorithmen wurden in wenigen
Jahren Verfahrensbeschleunigungen um vier bis fünf Größenordnungen erzielt, mit
denen jetzt energieoptimale Fahrweisen auf einem Chip im Fahrzeug in Milli-
sekunden online berechnet werden können.
Lassen Sie mich schließen mit einem aktuellen Forschungsgebiet, das mir
besonders am Herzen liegt und für das ich hier in der Akademie weitere Mitstreiter
zu gewinnen hoffe. Es ist der Einsatz von Methoden des Wissenschaftlichen Rech-
nens in den Geisteswissenschaften, vor allem zunächst in Geschichts- und Kultur-
wissenschaften.
Seit 15 Jahren engagiere ich mich dafür, moderne Methoden des Wissen-
schaftlichen Rechnens in den Universitäten der Entwicklungsländer Südostasiens
fruchtbar werden zu lassen, und suche hierfür Forschungsfelder mit besonderem
regionalem Bezug. In Kambodscha bin ich dabei auf das phantastische Erbe der
Khmer-Kultur um die Tempel und Ruinen von Angkor gestoßen.
Hier eröffnet sich ein unglaublich weites und spannendes Betätigungsfeld für
viele Disziplinen, von der Rekonstruktion und der Risikoanalyse über die Doku-
mentation und die Archivierung bis hin zur Religions- und Kunstgeschichte.
Rufen diese und verwandte Fragen nicht nach gemeinsamen Projekten der
Akademie?
 
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