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Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Hrsg.]
Jahrbuch ... / Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Jahrbuch 2011 — 2012

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III. Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
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A. Die Preisträger
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Akademiepreis 2011
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Christian Georg Martin: „Ontologie der Selbstbestimmung. Eine operationale Rekonstruktion von Hegels Wissenschaft der Logik“
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https://doi.org/10.11588/diglit.55657#0295
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FÖRDERUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN NACHWUCHSES

der WdL unternimmt Hegel nichts anderes als den thematisch voraussetzungslosen
Versuch, die einfachsten Gedanken überhaupt im Ausgang vom Begriff bloßer
Unbestimmtheit schrittweise auseinander zu entfalten. Eine solche thematisch voraus-
setzungslose Theorie hat dabei durchaus pragmatische Voraussetzungen wie etwa den
Gebrauch einer natürlichen Sprache seitens denkender Wesen.
Insofern Hegel die „Logik“ als Wissenschaft versteht, darf an seine Darstellung
die Forderung nach argumentativer Reproduzierbarkeit angelegt werden. Um zu
zeigen, dass sich diese Forderung einlösen lässt, wird das Programm voraussetzungs-
losen Denkens im einleitenden Teil der Dissertation zunächst in Form strenger
Gelingensbedingungen ausbuchstabiert. Dadurch wird es möglich, sich der Hegel-
sehen Durchführung dieses Programms, anstatt sich ihrem Wortlaut auszuliefern,
über den Versuch einer argumentativ eigenständigen Darstellung zu nähern, die es
sowohl erlaubt, Hegels Gedankenführung zu bestätigen, wie sie immanent zu kriti-
sieren.
Vor der Ausführung dieses Programms im Hauptteil der Dissertation wird
zunächst jedoch noch einleitend auf die Umstände reflektiert, unter denen den auf-
gestellten Gelingensbedingungen überhaupt Genüge zu leisten wäre. Diese Reflexi-
on führt auf die Idee einer operationalen Rekonstruktion, deren Grundgedanke
darin besteht, dass reines Denken im Ausgang von bloßer Unbestimmtheit überhaupt
nur dann aus sich heraus auf ein Gefüge logischer Bestimmungen führen kann, wenn
es sich als selbstanwendende Operation darstellen lässt, das heißt als Operation, die
mangels äußerlich vorgegebener Argumente auf sich selbst operiert und die logi-
schen Bestimmungen als ihren Werteverlauf ergibt.
Da thematisch voraussetzungsloses Denken allein von reiner Unbestimmtheit
und nicht schon ausdrücklich von selbstanwendender Operationalität auszugehen
hat, können die soeben angedeuteten Vorüberlegungen im Zuge einer immanenten
Rekonstruktion der „Logik“ nur indirekt fruchtbar gemacht werden. Sofern jedoch
die Reflexion zwingend ist, dass reines Denken nur dann realisierbar ist, wenn die
Gehalte, welche es produziert, Gestalten selbstanwendender Operationalität sind,
muss auch die Unbestimmtheit des Anfangs, obwohl zunächst unausdrücklich, eine
solche Gestalt selbstanwendender Operationalität sein. Eine methodische Pointe der
vorgelegten operationalen Rekonstruktion besteht entsprechend darin, die Warte
selbstanwendender Operationalität im Zuge der immanenten Rekonstruktion der
WdL im Ausgang vom Begriff bloßer Unbestimmtheit heuristisch als zweite Perspek-
tive in Anschlag zu bringen, die sich bei Hegel so nicht findet. Beide Perspektiven
konvergieren jedoch, da selbstanwendende Operationalität im Zuge des logischen
Fortgangs als solche ausdrücklich wird, indem das reine Denken, welches es zunächst
nur mit so einfachen Inhalten wie Unbestimmtheit, Etwas, Qualität oder Grenze zu tun
hat, nach und nach einen ausdrücklichen Begriff seiner selbst als selbstanwendender
Operationalität gewinnt.
Sofern sich die WdL erfolgreich als Entfaltung voraussetzungslosen Denkens
rekonstruieren lässt, ist das, was sich in ihr ergibt, insofern als notwendig ausgewie-
sen, als es sich selbst dann ergibt, wenn von ihm und allem anderen zunächst ab-
gesehen wird. Die Darstellung reinen Denkens hat damit zwar insofern logischen
 
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